Gratwanderung am Limit: Das Sieben-Gipfel-Monument zwischen Hochtor und Hocharn, Hohe Tauern am 14.08.2026
Hintereres Modereck (2.930 m), Herbertturm (2.971 m), Noespitze (3.005 m), Krumlkeeskopf (3.103 m), Arlthöhe (3.084 m), Schneehorn (3.062 m), Hocharn (3.254 m) & Tauernkopf (2.627 m)
Ein spontaner Urlaubstag, perfekte
Wetterbedingungen und eine der anspruchsvollsten Gratüberschreitungen der
Goldberggruppe: Die Tour vom Hochtor zum Hocharn (3.254 m) und zurück fordert
Alpinisten alles ab. Sieben Gipfel – darunter fünf Dreitausender und zwei
mächtige Zweitausender – säumen diesen Weg voller Seilversicherungen, brüchigem
Fels und ausgesetzten Gratpassagen.
Hier ist der ausführliche, packende Erlebnisbericht
einer gewaltigen Solotour am Freitag, den 14. August 2026.
Die Logistik: Spontaner Aufbruch in die Hohen
Tauern
Der Plan entstand extrem kurzfristig. Um am Freitag
das stabile Hochdruckwetter optimal zu nutzen und eine stressige Morgenanreise
zu vermeiden, ging es bereits am Donnerstagabend nach Radstadt zur Freundin.
Nach einer kurzen Nacht und dem finalen Ausrüstungscheck startete das Abenteuer
am Freitagmorgen pünktlich um 06:30 Uhr am Hochtor (2.504 m) direkt an
der Großglockner Hochalpenstraße. Die Luft war frisch, der Himmel klar – ideale
Bedingungen für ein langes, forderndes Unternehmen.
Etappe 1: Das Warmlaufen und das erste Warnsignal
Über den Jubiläumsweg zur Weißenbachscharte
Der Einstieg folgt dem geschichtsträchtigen Klagenfurter
Jubiläumsweg. Zu Beginn zeigt sich das Gelände gnädig. Auf einer breiteren
Ebene geht es in leichtem Auf und Ab dahin. Der Körper kommt auf
Betriebstemperatur, während die ersten Sonnenstrahlen die umliegenden Flanken
berühren.
Der Schlüssel zum Hinteren
Modereck (2.930 m)
Nach der Weißenbachscharte ändert sich der
Charakter der Tour. Steil und unbarmherzig leitet der Pfad aufwärts. Kurz vor
dem Erreichen des Grates beginnen die ersten Seilversicherungen.
Alpiner Warnhinweis: Wer an diesen ersten drahtseilversicherten Passagen bereits mentale oder physische Probleme bekommt, sollte hier zwingend umkehren. Der Weg wird im weiteren Verlauf technisch schwieriger, ausgesetzter und psychisch fordernder. Es wird nicht einfacher!
Der Weiterweg zum ersten Gipfel ist schnell
geschafft: Das Hintere Modereck (2.930 m) mit seinem markanten
Gipfelkreuz ist erreicht. Ein kurzer Rundumblick, dann macht das Gelände Ernst.
Etappe 2: Die ersten Dreitausender im
Klettersteig-Modus
Herbertturm (2.971 m) und der knackige Abstieg:
Vom Modereck geht es direkt wieder bergab, hinein
in die nächsten Seilversicherungen. Konzentriert folgt der Schritt dem
Gratverlauf bis zum Herbertturm (2.971 m), der von einem schlichten
Gipfelsteinmann geziert wird.
Der anschließende weitgehend seilversicherte Abstieg
vom Herbertturm hat es in sich:
·
Schwierigkeit:
Geschätzt im Bereich B/C.
· Charakter: Steil, ausgesetzt und mit echtem Klettersteig-Feeling. Das feste Zupacken am Stahlseil ist hier absolute Pflicht.
Noespitze (3.005 m) – Der erste
Dreitausender
Nach dem knackigen Abstieg folgt der direkte
Gegenaufstieg zur Noespitze (3.005 m). Der erste Dreitausender des Tages
ist geschafft! Auch hier markiert leider nur ein einfacher Steinmann den
höchsten Punkt. Der darauffolgende, seilversicherte Abstieg steht dem
vorherigen in nichts nach und erreicht erneut geschätzt den Schwierigkeitsgrad
B.
Etappe 3: Bruchsalat und das Biwak
Sandiges Intermezzo zum Krumlkeeskopf (3.101 m /
3.103 m)
Der Weiterweg zum Krumlkeeskopf verläuft teilweise direkt unterhalb der Gratkante. Die Passage ist abschnittsweise seilversichert, verlangt aber erhöhte Aufmerksamkeit: Der Untergrund ist extrem sandig und brüchig – ein strukturelles Problem, das sich wie ein roter Faden durch die gesamte Tour zieht. Jeder Tritt muss geprüft werden. Am Gipfel des Krumlkeeskopf (die Höhenangaben in den Karten schwanken zwischen 3.101 m und 3.103 m) entschädigt ein schönes, relativ neues Gipfelkreuz für die Mühen.
Tiefblick am Otto-Umlauf-Biwak
Vom Krumlkeeskopf folgt ein herber Rückschlag für
die Höhenbilanz: Über 100 Höhenmeter geht es steil abwärts in die nächste
Scharte, wobei einige Seilversicherungen die nötige Sicherheit im bröseligen
Fels geben. In der Scharte duckt sich das Otto-Umlauf-Biwak, eine Notunterkunft
für bittere Wetterstürze.
Etappe 4: Am messerscharfen Grat zum Schneehorn
Über die Arlthöhe in die absolute Ausgesetztheit
Aus der Scharte zieht der Weg wieder steil, aber
technisch unschwierig hinauf zur Arlthöhe (3.084 m), auf der ein
einsamer Gipfelsteinmann wartet.
Doch die relative Ruhe ist trügerisch: Direkt
danach schnürt sich der Grat zusammen. Er wird schmal und auch ausgesetzt. In
Kombination mit dem bereits erwähnten sandig-bröseligen Untergrund ist hier
absolute fehlerfreie Beinarbeit und enorme Vorsicht geboten. Jeder
Fehltritt wäre fatal.
Das Rätsel um das Schneehorn
(3.062 m)
Es folgt die wohl anspruchsvollste Passage des
Verbindungskamms: Ein knackiger Gratturm muss abgeklettert werden.
·
Technischer Anspruch: Seilversichertes Abklettern im geschätzten Schwierigkeitsgrad
C.
·
Gipfel-Diskrepanz: Während die digitale Wander-App den Gipfel des Schneehorns (3.062 m)
erst kurz vor der Oberen Jausenscharte verortete, sprach die Logik vor Ort eine
andere Sprache. Da der Grat im Bereich der App-Markierung völlig waagrecht
verläuft, macht das digital keinen Sinn. Der klettertechnisch fordernde
Gratturm muss wohl das eigentliche Schneehorn sein! Ein Gipfelzeichen (Kreuz
oder Steinmann) suchte man hier allerdings vergeblich.
Etappe 5: Der finale Sturm auf den Hocharn (3.254
m)
Nach dem Abklettern geht es hinab in die Obere
Jausenscharte. Von hier aus trennen den Alpinisten noch rund 200 Höhenmeter vom
Hauptziel. Der Schlussanstieg ist landschaftlich grandios und technisch nicht
mehr allzu schwierig.
Eine kleine, unangenehme Gemeinheit wartet jedoch
kurz nach der Scharte: Eine extrem steile, sandige Passage. Was im Aufstieg nur
mühsam ist, wird im späteren Abstieg zur echten Rutschpartie. Die Rettung
vor Ort: Hier weicht man am besten direkt in die festeren Felsen daneben
aus, um sicheren Halt zu finden.
Gegen 09:40 Uhr ist das große Etappenziel erreicht: Der Gipfel
des Hocharns (3.254 m) ist bezwungen! Der höchste Punkt der Goldberggruppe
beeindruckt gleich mit zwei Gipfelkreuzen und einem monumentalen
Panorama auf den benachbarten Großglockner und den Hohen Sonnblick. Der breite
Gipfel lädt zu einer ausgiebigen, wohlverdienten Rast ein, um Kraft für den
Rückweg zu sammeln.
Der Rückweg: Das dicke Ende und Gipfel Nr. 7
Wer den Hocharn erreicht hat, darf nicht vergessen:
Es wartet der komplette Rückweg über denselben, kraftraubenden Grat.
Jede Seilversicherung, jeder Gegenaufstieg, die C-Stelle am Schneehorn-Gratturm
und jede brüchige Passage müssen in umgekehrter Reihenfolge erneut bewältigt
werden. Die Konzentration darf zu keinem Zeitpunkt nachlassen, während die
Beine langsam müde werden.
Als finaler Akkord der Tour wurde im Rückweg kurz
vor dem Ziel noch der Tauernkopf (2.627 m) mitgenommen. Ein letzter
Gipfelsteinmann, ein letzter stolzer Blick zurück auf die bezwungene,
kilometerlange Gratlinie. Danach folgte der finale Abstieg zum Hochtor.
Fazit & GPS-Fakten
Diese Tour ist kein einfacher Bergspaziergang,
sondern ein hochalpines Monumentalwerk für ausdauernde, absolut schwindelfreie
und klettergewohnte Bergsteiger.
·
Die 7 bezwungenen Gipfel in der Chronologie:
1. Hintereres Modereck (2.930 m) – Mächtiger 2000er
#1 (Gipfelkreuz)
2. Herbertturm (2.971 m) – Mächtiger 2000er
#2 (Gipfelsteinmann)
3. Noespitze (3.005 m) – Dreitausender #1
(Gipfelsteinmann)
4. Krumlkeeskopf (3.101 m / 3.103 m) – Dreitausender
#2 (Gipfelkreuz)
5. Arlthöhe (3.084 m) – Dreitausender #3
(Gipfelsteinmann)
6. Schneehorn (3.062 m) – Dreitausender #4
(Gratturm ohne Zeichen)
7. Hocharn (3.254 m) – Dreitausender #5
(Hauptziel, 2 Gipfelkreuze)
o
Im
Rückweg zusätzlich: Tauernkopf (2.627 m) (Gipfelsteinmann)
· Anforderung: Klettersteigpassagen bis C bzw.B/C, extreme Trittsicherheit im brüchigen und sandigen Fels nötig. High-End-Kondition für den doppelten Gratweg zwingend erforderlich, sofern man so wie ich alleine unterwegs ist und wieder zurück zum Hochtor muss.
Startpunkt ist der Parkplatz am Hochtor:






































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