Grimmingtor und Feilgstein (1.260m), Dachsteingebirge, 21.08.2026

Das Grimmingtor und der Feiglstein: Ein Wettlauf mit den Wolken am mächtigen Monolithen

Die Wetter-Apps prognostizierten für diesen Freitagnachmittag, den 21.08.2026 nichts Gutes. Grau in Grau, die Wolken hingen tief über dem Dachsteingebirge, und das Risiko, komplett durchnässt zu werden, stand im Raum. Doch die Sehnsucht nach den Bergen war größer. Mein Kumpel Simon und ich entschieden uns für das Risiko – und wurden mit einem unvergesslichen Tourenkracher belohnt. Erst ganz zum Schluss, als wir bereits beim Abstieg auf einem geschützten Bankerl kurz vor dem Parkplatz saßen, öffnete der Himmel seine Schleusen. Ein perfektes Timing!

Der Aufstieg: Durch dichten Wald ins Reich der Latschen

Unser Abenteuer startete im beschaulichen Espang. Zu Beginn folgten wir dem Weg 682, der uns auf einer mäßig steilen Forststraße tiefer in die Bergwelt hineinführte. Die kühle, feuchte Luft tat der Motivation keinen Abbruch; das monotone Knirschen des Schotters unter den Sohlen wirkte fast meditativ.

Auf etwa 1.000 Metern Höhe – kurz vor dem Ende des Forstweges – änderte sich der Charakter der Tour. Der gemütliche Forstweg wich einem schmalen Steig, der in den dichten Wald hineinzog. Ab hier zog die Steigung spürbar an. Unsere Waden wurden warm, der Atem tiefer. Doch die Anstrengung lohnte sich: Kurz vor dem markanten Feiglstein lichtete sich das dichte Geäst. Wir ließen diesen Ausgangspunkt für den Moment links liegen – er sollte unser spätes Zuckerl im Abstieg werden – und kämpften uns weiter hinauf durch die Latschengasse.

Die Weggabelung und das Finale im Schotterkar

Auf rund 1.300 Metern erreichten wir die entscheidende Weggabelung. Gerade weiter zieht der wunderschöne Steig hinüber zur bekannten Grimminghütte – ein Weg, den ich bereits von einer früheren Tour kannte. Doch heute stand ein anderes Ziel auf dem Plan: das mystische Grimmingtor.

Wir folgten dem Weg hoch zum Grimmingtor und sofort änderte sich das Gelände. Es wurde richtig steil. Der Untergrund verwandelte sich in rutschigen, tiefen Schotter. Jeder Schritt erforderte volle Konzentration und eine solide Trittsicherheit, auch wenn das Gelände nie in den absturzgefährdeten, extrem schwierigen Bereich abdrifteste. Während wir uns Höhenmeter um Höhenmeter nach oben arbeiteten, zog der mächtige Südgrat der Schartenspitze unsere Blicke magisch an. Auf ihm thronen die untere und obere Weißrinnspitze – zwei echte Geheimtipps, die den meisten Wanderern wohl völlig unbekannt sind, sich aber spektakulär gegen den wolkenverhangenen Himmel abhoben.

Auf etwas über 1.500 Metern war es geschafft: Der Steig endete an einem kleinen Kreuz. Vor uns öffnete sich der gigantische Blick auf das Grimmingtor, diese kolossale, natürliche Felsöffnung in der Wand des Grimming-Massivs. Ein ehrfurchtgebietender Anblick, den wir ausgiebig genossen, während unser Blick immer wieder ehrfürchtig zu den Weißrinnspitzen wanderte.

Gipfelglück am Feiglstein und ein erstaunlicher Fund

Der Abstieg folgte zunächst dem Aufstiegsweg im flotten Tempo durch den Schotter. Zurück am Feiglstein (1.260 m) ließen wir uns die Gelegenheit nicht entgehen. Ein kurzer, unschwieriger Steig zweigt direkt vom Hauptweg ab und führt in wenigen Augenblicken hinauf zum exponierten Felskopf. Von hier aus bietet sich ein phänomenaler, freier Ausblick ins grüne Ennstal. Da ein fixes Gipfelkreuz fehlte, wurden wir kreativ: Wir legten zwei Holzstücke kreuzweise übereinander – fertig war unser ganz persönliches, rustikales Gipfelmonument!

Weiter unten im Wald kürzten wir die Forststraße über einen alten Wiesen- und Traktorweg ab. Ein absolut goldener Entschluss! Simon stoppte plötzlich starr, blickte ins Unterholz und traute seinen Augen kaum: Direkt neben dem Pfad lag ein perfekt erhaltenes, abgestoßenes Hirschgeweih. Ein absoluter Ausnahmefund, der sofort stolz geschultert wurde.

Ein geselliger Ausklang 

Das Wetter hielt eisern durch. Erst als wir das sichere, geschützte Bankerl kurz vor dem Parkplatz erreichten, setzte der prasselnde Regen ein. Wir machten es uns gemütlich, um die müden Knochen zu regenerieren.

Dort trafen wir auf unglaublich freundliche Einheimische. Aus einem kurzen Hallo entwickelte sich ein wunderbares Gespräch, das in einer spontanen Einladung zu einem Umtrunk gipfelte. Eine fantastische Geste gastfreundlicher EInheimischer – an dieser Stelle noch einmal ein herzliches Dankeschön dafür! Glücklich und trocken geblieben zu sein traten wir schließlich die Heimreise an. Das Grimmingtor hat uns definitiv nicht zum letzten Mal gesehen!

Im Aufstieg bereits beim Feiglstein - hinauf sind wir erst im Abstieg:


Hier führt der markierte Weg noch durch die Latschen - oberhalb befindet sich die Jausengrube mit dem darin befindlichen Grimmingtor:


Bei der Weggabelung angekommen: gerade weiter führt der Weg hinüber zur Grimminghütte (ein interessanter und abwechslungsreicher Steig) und hinauf geht es zum Grimmingtor:


Rückblick:


Der Weg auf dem rutschigen Schotter ist sehr steil und mühsam, Trittsicherheit ist durchaus erforderlich (schwierig wird es aber nie):


Das Grimmingtor zeigt sich:


Hier kann man kurz durchschnaufen mit Blick nach Niederöblarn und Öblarn:


Die obere und untere Weißrinnspitze (sind wohl nur den wenigsten Einheimischen bekannt - würden uns aber auch sehr reizen 😆):


Noch einmal gezoomt:


Am Ende des markierten Weges steht ein kleines Kreuz mit herrlichem Blick zum Grimmingtor:




Und noch einmal die beiden Weißrinnspitzen:


Im Abstieg zeigt sich kurz die Sonne (sollte an diesem tag aber die absolute Ausnahme sein):


Am Feiglstein (1.260m) mit unserem behelfsmäßigen Kreuz 😋😋😋:


Am Gipfel hat man einen schönen Blick ins Ennstal:


Im weiterer Folge kürzten wir über einen alten Traktur- bzw. Wiesenweg ab und Simon fand dieses abgestoßene Hirschgeweih:


Danach machten wir kurz vorm Parkplatz bei einem geschützten Bankerl unsere längere Pause. Hier begann es dann zu regnen. Perfektes Timing würde ich einmal meinen! Wir trafen dann noch Einheimische die uns prompt zu einem hopfigen Getränk eingeladen haben, DANKE dafür und für die netten Gespräche.

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