Alpinklassiker im Toten Gebirge: Der Hochtausing-Südwandsteig, 10.07.2026, Totes Gebirge

Der Hochtausing (1.823 m) ist ein markanter Felszahn im Toten Gebirge, der Wanderern im Ennstal sofort ins Auge sticht. Während der Normalweg über den Ostanstieg mäßig schwierig ist, bietet der ungesicherte Südwandsteig ein rassiges, alpines Abenteuer. Wer die Einsamkeit, steilen Schrofenteile und leichte Kletterei sucht, wird hier fündig. Doch Vorsicht: Die Tour verzeiht keine Fehler.

Die Tour im Überblick

Ausgangspunkt: Wanderparkplatz Schönmoos (Wörschach)

Route: Schönmoos – Südwandsteig (Aufstieg) – Gipfel – Ostanstieg (Abstieg) – Schönmoos

Anspruch: Alpinklettern bis UIAA-Grad III (bzw. II bei Varianten), sehr ausgesetzt.

Ausrüstung: Helm, feste Bergschuhe, ggf. Klettersteigset für den Ostanstieg.

Beste Zeit: Nur bei absolut trockenem Fels.

Der Zustieg: Ein Suchspiel im hohen Gras

Die Tour startet gemütlich am Wanderparkplatz Schönmoos. Von hier aus folgst du dem gut markierten Wanderweg in Richtung Hochmölbing. Das Auge wandert dabei automatisch immer wieder nach links zur mächtigen Südwand des Hochtausings.

Unterhalb der Wand – bei der letzten Forststraße – verlässt du den markierten Weg und hältst dich westwärts (nach links). Du passierst einen kleinen Brunnen. Kurz danach zweigt der Einstieg zum Südwandsteig ab.

Orientierungs-Tipp: Der Beginn des Steigs ist stark verwachsen. Ein Pfad ist kaum auszumachen und die Steinmännchen ragen kaum über das hohe Gras hinaus. Hier ist ein guter Spürsinn gefragt, um den Weg Richtung Wandfuß nicht zu verlieren.

Der Aufstieg: Steile Schrofen und eine erfreuliche Überraschung

Sobald du den nackten Fels erreichst, wird die Orientierung schlagartig besser. Frische rote Punkte und Pfeile leiten den Weg (Stand: Juli 2026 durchgehend bis zum Gipfel).

Die erste Steilstufe (UIAA II)

Das Gelände wird sofort steil, schroffig und verlangt absolute Schwindelfreiheit. Am Ende der ersten Steilstufe wartet eine psychologische Hürde: Die roten Punkte führen über eine extrem trittarme, stark ausgesetzte Passage mit akuter Absturzgefahr (oberer II. Schwierigkeitsgrad).

Varianten-Tipp: Wer hier nicht absolut sicher steht, weicht weiter nach links (Westen) aus. Diese Variante sollte einfacher und weniger nervenaufreibend sein, ich bin mir zwar nicht mehr ganz sicher, aber so bin ich beim ersten Mal rauf denke ich. Danach geht es über leichtere Schrofenstufen weiter aufwärts.

Die Leiter-Passage & das Steigbuch

Bald darauf erreichst du die nächste Schlüsselstelle. Wo früher eine berüchtigte, wackelige Holzleiter die Nerven der Bergsteiger prüfte, gibt es Entwarnung: Die morsche Konstruktion wurde durch eine solidere, sicherere Metallleiter ersetzt. Direkt oberhalb der Leiter darfst du dich im Steigbuch verewigen.

Das Gipfelfinale (UIAA III oder II oder Latschengasse)

Es folgt eine längere, landschaftlich grandiose Querung, die technisch unproblematisch ist. Danach steilt das Gelände wieder auf, Gehpassagen wechseln sich mit leichten Klettereien ab.

Schließlich stehst du vor dem finalen Wandriss (einer markanten Wandschuppe), der regulär im III. Schwierigkeitsgrad erklettert werden muss. Wer den Dreier umgehen möchte, wählt entweder die Latschengasse davor oder nutzt eine Schwachstelle in der Wand weiter drüben – hier klettert man im soliden II. Grad, ohne dass es sonderlich ausgesetzt ist. Wenige Minuten später stehst du am verdienten Gipfelkreuz des Hochtausings.

Der Abstieg: Über den Ostanstieg zurück zum Schönmoos

Für den Abstieg wählen wir den Ostanstieg und dieser Weg ist teilweise mit Drahtseilen versichert, erfordert aber dennoch volle Konzentration, Trittsicherheit und trockene Verhältnisse.

Naturbegegnung am Wegrand: Dass man im alpinen Gelände nie unachtsam werden darf, zeigte sich uns im steilen Schrofengelände des Ostanstiegs: Eine etwas angriffslustige Kreuzotter lag direkt am Pfad und forderte gebührenden Sicherheitsabstand.

Nach dem Ausstieg aus dem Ostanstieg mündet der Pfad wieder in sanfteres Gelände und führt dich direkt zurück zum Parkplatz Schönmoos.

Wichtiges Fazit für die Tourenplanung

Der Hochtausing-Südwandsteig ist kein Wanderweg, sondern ein ernsthaftes alpines Unternehmen.

Nur im Aufstieg: Begehe den Südwandsteig niemals im Abstieg.

Nur bei Top-Wetter: Bei Nässe, Restschnee, Eis oder Nebel herrscht im ungesicherten Steilgelände akute Lebensgefahr.

Anforderungen: Du musst absolut trittsicher, schwindelfrei und fähig sein, dich im weglosen Gelände zu orientieren

 Bereits kurz vorm Wandfuß – es tauchen die frischen roten Punkte  und Pfeile auf:


Noch einmal kurz erholen, denn in weiterer Folge geht es sehr steil nach oben:


Links vom Baum oberhalb der Bildmitte wartet die erste Hürde, die Punkte leiten durch eine sehr trittarme und ausgesetzte Passage (Absturzgefahr, m. E. oberer 2. Schwierigkeitsgrad) – wohl besser, wenn man etwas weiter nach links (Westen) ausweicht, hier sollte es einfacher sein, bin mir zwar nicht mehr zu hundert Prozent sicher, aber so bin ich, denke ich, beim ersten Mal rauf:


Kurz vor der besagten Stelle:

Und schon darüber:


Einmal kurz durchatmen:


Es geht weiter steil nach oben, auch hier ist absolute Trittsicherheit erforderlich: 

Simon im „Vorstieg“:

Und ich dahinter J: 


Positive Überraschung: die alte, wackelige und morsche Holzleiter wurde durch eine weitaus stabiler wirkende Metallleiter ersetzt:


Ganz neu ist diese Leiter zwar auch nicht mehr, aber besser und vor allem sicherer als die alte Holzleiter:

Noch ein Blick von oben:

Hier gibt es auch ein Holzkreuz:


 Und gleich danach das Steigbuch:

Nach dem Steigbuch geht es etwas nach oben – hier im Rückblick:

Und es folgt eine längere nicht sonderlich schwierige Querung:

Blick zurück:


 Am Ende der Querung geht es wieder hinauf, es wechseln leichte Klettereien und Gehpassagen ab:


 Wobei in diesem Bereich folgende Rinne die schwierigste Stelle darstellt:


 Oberhalb der Rinne – im oberen linken Bildrand ein Kletterer, der offenbar die „Cirettissima- Hochtausing Südwand“ bestreitet: 

Vorm Finale dann leichtes Gehgelände:

Wir nähern uns der SG III-Stelle vorm Gipfel:


Hier die Schlüsselstelle im Detail, man kann sie so wie wir links davon in einer Schwachstelle in der Wand (aber auch SG II) umgehen oder schon zuvor durch eine Latschengasse: 

Zuvor ging es aber noch zu einem Steigbuchbehälter gleich rechts der Schlüsselstelle, wir haben nicht reingesehen, aber das sollte das Steigbuch/Wandbuch  der „Cirettissima - Hochtausing Südwand“ sein:


 Gipfel Hochtausing:



Blick zum Grimming:

Abstieg über den teilweise versicherten Ostanstieg:


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