Grimming via Nordanstieg (2.351m), Dachsteingebirge, 04.09.2026

Gipfelglück im Abendlicht: Ein einsamer Nordanstieg auf den Grimming

Am Freitagnachmittag, dem 4. September 2026, bot sich ein perfektes Wetterfenster für ein ambitioniertes Bergprojekt: den Grimming (2.351 m) über den rauen Nordanstieg. Diese Route gilt als der kürzeste, aber keineswegs als der leichteste Weg auf den mächtigen Monolithen des Ennstals. Mit rund 1.400 Höhenmetern und einer Distanz von knapp 10 Kilometern verlangt die Tour durchgehende Konzentration, Trittsicherheit und Schwindelfreiheit.


Der Tourenverlauf im Überblick

Etappe

Charakteristik

Besondere Hinweise

Parkplatz Kulm – Stribinggraben

Schöner, schattiger Waldsteig

Perfekt zum Warmgehen

Untere Steilwand

Serpentinen, gefolgt von Felsstufen

Drahtseilversichert (A/B bis max. B)

Schartenkar & Obere Steilstufe

Geröll, zunehmend brüchiger Fels

Freie Kletterei (I+), kaum Seile

Grimming Gipfel (2.351 m)

Einsames Gipfelplateau

Gewaltiges Panorama

Abstieg

Wie Aufstieg

Hohe Konzentration im brüchigen Fels


Durch den Stribinggraben zum Wandfuss

Die Tour startet am Nachmittag am Parkplatz Kulm. Während die meisten Wanderer das alpine Gelände um diese Uhrzeit bereits verlassen, beginnt hier das Abenteuer. Die ersten Meter führen auf einem wunderschön angelegten Waldsteig hinein in den schattigen Stribinggraben. Die kühle Waldluft ist ideal, um schnell an Höhe zu gewinnen. Nach einer Weile lichtet sich der Wald, der Blick nach oben wird frei und der Pfad schlängelt sich in weiten, eleganten Serpentinen steil empor in Richtung der gewaltigen Felsabbrüche.

Die erste Schlüsselstelle: Die untere Steilwand

Bald ist der Einstieg in die erste Wandstufe erreicht. Hier packt man den Fels das erste Mal richtig an. Die Passage ist gut mit Drahtseilen versichert (Schwierigkeit A/B bis max. B) und leitet logisch über Bänder und steile Stufen aufwärts. Das Gelände ist ausgesetzt, aber der griffige Kalkfels vermittelt ein absolut sicheres Gefühl. Nach Überwindung dieser ersten Wand öffnet sich das weite, wilde Schartenkar.

Kraxelei im brüchigen Finale

Hinter dem Kar wartet die eigentliche Herausforderung der Tour: die obere Steilstufe. Je höher man steigt, desto alpiner und wilder wird die Szenerie. Der Fels wird nach oben hin spürbar brüchiger und schottriger – jeder Tritt muss sorgfältig geprüft werden. Versicherungen sucht man hier fast vergebens; es wartet ehrliche, konzentrierte Genusskletterei im I. Schwierigkeitsgrad (I+). Erst kurz vor dem Ausstieg auf das Gipfelplateau hilft noch einmal eine kurze, drahtseilversicherte Passage über die letzte Kante.

Ganz alleine am Thron des Ennstals

Um diese späte Uhrzeit gehört der Gipfel auf 2.351 Metern Höhe mir ganz allein. Das typische Grimming-Gipfelkreuz steht majestätisch im goldenen Licht der Nachmittagssonne. Der Rundblick ist überwältigend: Das Ennstal liegt tief darunter, ringsum thronen die Gipfel des Toten Gebirges und der Dachstein in absoluter Klarheit. Die Stille hier oben ist fast greifbar – ein unbezahlbarer Moment, den man sich mit jedem einzelnen Höhenmeter hart erarbeitet hat.

Der konzentrierte Rückweg

Nach einer ausgiebigen Rast im windstillen Gipfelbereich folgt der Abstieg auf dem Aufstiegsweg. Gerade im brüchigen oberen Teil ist jetzt im müden Zustand höchste Achtsamkeit vor Steinschlag und Rutschern gefragt. Stufe um Stufe geht es wieder hinab durch das Kar, vorbei an den Drahtseilen der unteren Steilwand und schließlich zurück in den rettenden Bergwald, bis der Parkplatz Kulm kurz vor der Dämmerung wieder erreicht ist. Eine grandiose, fordernde Spätsommertour geht zu Ende.

Rückblick am Beginn der ersten Steilstufe:


Ab hier empfiehlt es sich einen Helm aufzusetzen:


Schöne Tiefblicke - ein großer Teil der ersten Steilstufe ist drahtseilversichert (A/B bis max. B):



Das weitläufige Schartenkar ist erreicht:



Beginn der zweiten Steilstufe:


Im unteren Bereich ist der Fels noch ganz gut, nach oben hin wird es immer brüchiger:



Rückblick ins Schartenkar:


Und eins mit mir 😎:


Eine unschwierige Querung im mittleren Bereich der zweiten Steilstufe:



Im oberen Bereich gibt es die einzige Seilversicherung der zweiten Steilstufe - Rückblick:


Das Gipfelkreuz zeigt sich (rechts der Bildmitte):



Am Gipfel (Grimming 2.351m) - heute hatte ich den Gipfel für mich alleine:






Verdienter Hopfensaft 🍺🍺😀😀:


Schöne und einsame Schartenspitze (2.328 m):


Abstieg erfolgt auf dem Aufstiegsweg, da ist noch einmal höchste Konzentration erforderlich.

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